Version 04, April 2026
Medienbildung: Audiovisuelle Kultur und Kommunikation
Medienbildung: Audiovisuelle Kultur und Kommunikation wurde als BA-Studiengang im Wintersemester 2004/05 und als MA-Studiengang im Wintersemester WS 2007/08 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eingeführt. Neben diesem Studienangebot versteht sich die Magdeburger Medienbildung als medienpädagogisch ausgerichtetes Forschungsprogramm mit spezifischer theoretischer und empirischer Ausrichtung. Im Fokus stehen die Möglichkeiten und Grenzen von Subjektivierungs-, Sozialisations-, Lern- und Bildungsprozessen im Horizont von digitaler Medialität. Bildung wird dabei als Transformation der Relation von Selbst- und Weltverhältnissen verstanden.
Den zentralen Gegenstandsbereich der Magdeburger Medienbildung bilden audiovisuelle und insbesondere digitale Medien mit ihren gesellschaftlichen, kulturellen und individuellen Implikationen. Medienbildung analysiert und reflektiert die komplexen Vernetzungen von kulturellen, gesellschaftlichen und medialen Praktiken in unterschiedlichen lebensweltlichen und institutionellen, formalen und informellen Zusammenhängen. Darauf aufbauend entwickelt die Magdeburger Medienbildung in der Tradition einer handlungsorientierten Medienpädagogik wissenschaftlich begründete Konzepte zur gleichberechtigten, demokratischen und kreativen Teilhabe an Gesellschaft.
Selbstverständnis als Magdeburger Medienbildung
Die Spezifik der Magdeburger Medienbildung als Studienangebot und Forschungsprogramm besteht in folgender Perspektive:
- Medienbildung ist ein transdisziplinäres Studien- und Forschungsprogramm, das den Gegenstandsbereich digitaler Medialität mit seinen sozialen und kulturellen Implikationen aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive fokussiert.
- Unser Verständnis von Medienbildung lässt sich der Medienpädagogik als Handlungs- und Reflexionswissenschaft zuordnen. Die Kombination medienpädagogischen und informatischen Wissens, praktischer Kompetenzen sowie kritischen erziehungswissenschaftlichen Professions- und Reflexionswissens ist hierbei von besonderer Bedeutung.
- Digital-vernetzte Medien werden als Bildungs- und Kulturräume verstanden. Diese Perspektive geht über eine rein instrumentell-qualifikatorische Perspektive auf digitale Medien hinaus.
- Medienbildung liegt ein strukturales und relationales Verständnis von Bildung zugrunde: Dabei wird Bildung als Prozess verstanden, und zwar als Transformation der Relation von Selbst- und Weltverhältnissen vor dem Hintergrund digitaler Medialität.
- Medienbildung adressiert die Herausforderungen des digitalen Wandels aus einer eigenständigen Perspektive, die sich von der klassischen Nutzungs- und Wirkungsforschung ebenso unterscheidet wie von rein kompetenz- und outcome-orientierten Verständnissen von Medienbildung.
- Diese Fokussierung erfordert grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten aus der Informatik. Dies spiegelt sich sowohl im Studien- als auch im Forschungsprogramm wider. Medienbildung hat damit eine Schnittstellen- und Brückenfunktion zwischen erziehungswissenschaftlichen, informatischen und technologischen Perspektiven.
Beteiligte Professuren am BA- und MA-Studiengang “Medienbildung”
Das Programm der Magdeburger Medienbildung folgt einer trans- und interdisziplinären Ausrichtung und wird durch eine enge Zusammenarbeit mit den Studiengängen Computervisualistik, Informatik, Germanistik, Lehramt und Bildungswissenschaften umgesetzt.
- Lehrstuhl Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt digitale Medienkulturen
- Lehrstuhl Pädagogik und Medienbildung
- Juniorprofessur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Bildung und Digitalität
Im Kern werden der BA- und der MA-Studiengang Medienbildung von drei Professuren verantwortet, die je spezifische Teilbereiche der Medienbildung vertreten.
Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt digitale Medienkulturen (Prof. Dr. Patrick Bettinger)
Dieser Lehrstuhl ist grundlegend ausgerichtet auf die Bereiche Medien, Kultur und Subjektivierung vertritt dabei eine sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektive erziehungswissenschaftlicher Medienforschung. Entsprechende Schwerpunkte liegen im Bereich der medienbezogenen Subjektivierungsanalysen, Biographieforschung im Kontext digitaler Medienkulturen und praxeologischer Medienbildungsforschung . Gegenstände in Forschung und Lehre bilden z.B. Maker-Culture, Praktiken digitaler Selbstvermessung, Educational Game Studies sowie aktive Medienarbeit .
Dieser Lehrstuhl verantwortet die Studiengangsleitung und Studienfachberatung im MA Medienbildung.
Pädagogik und Medienbildung (Prof. Dr. Stefan Iske)
Dieser Lehrstuhl ist grundlegend ausgerichtet auf die Bereiche Medien, Bildung und Biographie und vertritt dabei eine bildungswissenschaftliche und bildungstheoretische Perspektive der Medienbildung. Entsprechende Forschungsschwerpunkte liegen im Feld der Medienbildung und Biographie, der Medienbiographie(n) sowie Lernen und Bildung in formalen und informellen Kontexten. Gegenstände in Forschung und Lehre bilden z.B. Film, Fotografie und interaktive Medien.
Dieser Lehrstuhl verantwortet die Studiengangsleitung und Studienfachberatung im BA Medienbildung.
Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Bildung und Digitalität (Jun.-Prof. Dr. Christian Leineweber)
Die Juniorprofessur beschäftigt sich mit dem theoretischen und empirischen Verhältnis von Bildung und Digitalität aus einer kritisch-reflexiven und gesellschaftsanalytischen Perspektive. Im Rückgriff auf bildungs-, gesellschafts- und medienwissenschaftliche Ansätze werden formelle Lern- und Bildungsprozesse und informelle Medienpraktiken unter den Bedingungen des digitalen Wandels von Kultur und Gesellschaft untersucht und für eine medienpädagogische Bildungstheorie der Digitalität fruchtbar gemacht. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf emanzipatorischen Leitbildern der Medienpädagogik wie Medienbildung, Medienkompetenz und Literalität.
Denomination | Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt digitale Medienkulturen | Pädagogik und Medienbildung | Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Bildung und Digitalität |
| Ausrichtung | Medialität und Kultur | Individuum und Biographie | Digitalität und Gesellschaft |
| Perspektive | Praxeologisch – poststrukturalistisch | Hermeneutisch – lebensweltlich | Kritisch-reflexiv – gesellschaftsanalytisch |
Schwerpunkte in Forschung und Lehre | Medien- und kulturwissenschaftliche Zugänge zu pädagogischen Phänomenen, Methodologien und Methoden der medienpädagogischen Subjektivierungsanalyse, pädagogische Medienanthropologie | Medienbildung und Medienbiographie; Lernen und Bildung in formalen und informellen Kontexten | Emanzipatorische Bildungstheorie, Medienbildung und Gesellschaft, reflexions- und handlungsorientierte Medienpädagogik |
Gegenstände | Maker-Culture, Computerspielkulturen & Educational Game Studies, digitale Selbstvermessung, aktive Medienarbeit | Bildungsorientierte Analyse fiktionaler Spielfilme, fotografische Praktiken in einer digital-vernetzten Kultur; Soziale – Digitale Ungleichheit | (Bildungs-) Technologien in formellen und informellen Kontexten, bspw. mit Blick auf Algorithmen und KI; gesellschaftliche Strukturdynamiken des Digitalen, bspw. mit Blick auf digitale Beschleunigung, Plattformisierung, Quanzifizierung, Fake News |
Tabelle 1: Fokussierung und Verantwortung von Teilbereichen der Medienbildung
[5] Diese Brücken- und Schnittstellenfunktion zeigt sich auch in den späteren Feldern der beruflichen Tätigkeiten der Absolvent*innen, vgl. https://dx.doi.org/10.25673/4211 und https://doi.org/10.24352/UB.OVGU-2021-021.
[6] Vgl. Modulhandbuch BA-Medienbildung und Modulhandbuch MA-Medienbildung. Das BA-Kolloquium Medienbildung wird von den Lehrstühlen Pädagogik und Medienbildung und Erziehungswissenschaftlich mit dem Schwerpunkt digitale Medienkulturen gemeinsam verantwortet.